Bücherkuscheln.de

7. Türchen 2016

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 08. Dezember 2016 um 08:45 Uhr Geschrieben von: Yvonne Donnerstag, den 08. Dezember 2016 um 07:47 Uhr

Nanu, habe ich mich im Kalender geirrt? Nein, ich bin gestern an meinem Tagesablauf gescheitert und habe das verflixte siebte Türchen einfach nicht mehr geschafft. Daher kommt es nun zu spät um die Ecke geschlunzt.

Einige haben vielleicht schon auf Facebook gelesen, dass vor Kurzem ein neues Buch erschienen ist, an dem ich mitgewirkt habe. Allerdings bin ich diesmal nicht die Autorin, sondern die Herausgeberin. Im Schulhalbjahr vor den Sommerferien habe ich mit Unterstützung der Edmund Vey-Stiftung eine AG zum kreativen Schreiben an der Heinrich-Kraft-Schule in Frankfurt-Fechenheim gegeben. Einmal in der Woche habe ich mich mit neun Schülern getroffen, ihnen meine markanten bunten Zettel, aber auch Comics, Bilder und Musik als Inspiration vorgelegt und beim Geschichtenschreiben geholfen.

Wir haben eine Lesung veranstaltet, bei der die besten Texte sogar prämiert wurden. Sechs meiner Schüler haben einige ihrer Geschichten eingereicht und ich habe sie zu einem Buch zusammengefügt. Nun sind die Bücher endlich fertig und ich habe sie gestern nach Fechenheim zu meinen Schülern gebracht.

Bei der Gelegenheit habe ich im Café Jasmin vorbeigeschaut, wo wir unsere Kreativtreffen abgehalten haben und unserer guten Seele Elke auch ein Büchlein überreicht. Das Café Jasmin wurde vor Kurzem umbenannt in "Cult fee" und ich musste mir die Veränderungen 'mal vor Ort ansehen.

Cult fee: Eine kleine Oase im Vorweihnachtsstress

Es tut einfach immer gut, dem Café einen Besuch abzustatten und jetzt im Advent ist es ein bisschen so, als würde man nach einem langen Jahr nach Hause kommen. Natürlich ist dort schon alles weihnachtlich geschmückt, wie ihr den Bildern entnehmen könnt. Ich habe einen Kakao getrunken und einen Mini-Guglhupf gegessen (genau genommen drei, weil mir Elke noch zwei geschenkt hat). Die kleinen Leckerlis sind liebevoll dekoriert, einer schmeckte herrlich nach Zimt und Birne. Fechenheim ist nicht gerade mitten in der Stadt, aber dafür ist es dort auch nicht völlig überfüllt - wie an vielen anderen kuscheligen Orten in der Vorweihnachtszeit - und man findet seinen Frieden.

Die leckeren Guglhüpfchen kann man dort auch zum Mitnehmen bekommen, genau wie leckere Kekse für alle, die keine Zeit zum Backen finden. Da kann man sich genauso durchprobieren wie durch das Sortiment von eingekochten Suppen, die man für 5 Euro erwerben kann und zu Hause nur warm machen muss. Von Tomate bis Rosenkohl findet man dort winterliche Genüsse. Natürlich gibt es auch vor Ort einen Mittagstisch, bei dem man wechselnde Gerichte für kleines Geld bekommt. Gestern gab es beispielsweise Kassler und einen Eintopf, der bei meinem Eintreffen leider bereits ausverkauft war.

Aber damit nicht genug. Da Elke mit den Kreativen aus der Region gut vernetzt ist, kann man im Cult fee auch kleine, bezahlbare Weihnachts-Geschenke finden. Als ich gestern dort war, kam eine nette Dame vorbei und brachte Taschen aus Filz, die sie selbst gemacht hat. Gemeinsam haben wir lange überlegt, wie man die Schmuckstücke am ansprechendsten anrichtet. Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Mir gefällt übrigens die kleine schwarz-rote mit den Mohnblumen am besten, aber leider ist mir spontan niemand eingefallen, den ich damit beschenken könnte - natürlich abgesehen von mir selbst.

Außer den Taschen findet man ebenfalls selbstgemachte Teelichthalter, die mit kleinen Naschereien, Glöckchen, Kerzen und anderen weihnachtlichen Dinge gefüllt und so bereits verschenkfertig sind. Dann gibt es noch verschiedene bunte WC-Schilder.

So, ich hoffe, der eine oder andere hat Lust bekommen, den Weg nach Fechenheim (Tram 11 bis Arthur-von-Weinberg-Steg) auf sich zu nehmen. Abends oder am Wochenende gibt es dort auch oft Programm in Form von Live-Musik oder Autorenlesungen.
 

6. Türchen 2016

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 06. Dezember 2016 um 19:14 Uhr Geschrieben von: Yvonne Dienstag, den 06. Dezember 2016 um 18:49 Uhr

Es gibt diese Tage, an denen einem alles gelingt und man vor lauter Dankbarkeit die Welt umarmen könnte. Heute ist nicht so ein Tag. Zwar hat mich heute früh aus meinem Playmobil-Adventkalender ein Nikolaus-Kostüm für die Figur kurzzeitig zum Lächeln gebracht, aber ansonsten waren die Tagesaussichten in Studium und Beruf eher wolkig und stellenweise trüb.

An solchen Tagen fällt es schwer, froh und munter zu sein, auch wenn einen das Datum dazu auffordert. Und häufig kommen dann noch kleine Gemeinheiten des Lebens hinzu: man hat schlecht geschlafen, ist schon spät dran und die Bahn fällt noch aus, das teurere Adventsmenü in der Mensa schmeckt zum Weglaufen, man bekommt traurige Nachrichten und es fehlt einem jede Inspiration.

Ein Patentrezept für solche Tage gibt es leider nicht. Manche sagen, dass man sich zusammennehmen muss, 10 Gründe auflisten, wofür man dankbar ist beispielsweise, und sich dann im Spiegel so lange angrinsen, bis man sich wieder wohl in seiner Haut fühlt. Ich finde nicht, dass man das muss, noch, dass es etwas bringt.

Morgen ist ein neuer Tag

Ich versuche an solchen Tagen vor allem, keine Entscheidungen zu treffen, die ich später bereuen könnte. Es gibt Tage, die sind einfach nicht dein Freund und dann muss man sie auch nicht zwingen, dazu zu werden. Alles, was wichtig ist, vertage ich auf ein anderes Datum.

Darüber hinaus versuche ich, viel zu schlafen. Oft kommt einem alles ein bisschen weniger schwierig vor, wenn man sich erlaubt, erschöpft zu sein und auszuruhen.

In diesem Sinne ... Tzzzz ... Habt noch einen schönen Abend!
 

5. Türchen 2016

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 05. Dezember 2016 um 15:52 Uhr Geschrieben von: Yvonne Montag, den 05. Dezember 2016 um 15:08 Uhr

Heute gibt es auf Facebook wilde Diskussionen über den Nikolaus. Wie war das noch mal? Kommt er am 5. oder am 6. Dezember?
Bei mir war das als Kind immer so: Am 5. Dezember habe ich meinen Stiefel 'rausgestellt, meist schon früh am Tag - sicher ist sicher. Gegen 17 oder 18 Uhr setzte plötzlich ein furchtbares Gepolter im Treppenhaus ein. Dann haben meine Eltern, die ganz zufällig auch meist im Treppenhaus waren, gesagt: "Ich glaube, der Nikolaus war schon da. Geh doch 'mal gucken". Und tatsächlich - der Stiefel war gefüllt.

Persönlich vorbeigekommen ist er nie. Kann man sich ja auch erklären - so viele Kinder, wie der an dem Abend besuchen muss. Dass er so einen Lärm veranstaltet hat, lag bestimmt an dem Sack voll mit Spielzeug und Süßigkeiten. Bei mir hat er übrigens meist nur Spielzeug dagelassen. Der Nikolaus ist ja schlau und wusste, dass ich als Kind wegen meiner Neurodermitis keine Süßigkeiten essen durfte. Deshalb kam er bei mir wohl auch so früh, damit ich noch Zeit hatte, die Sachen auszuprobieren und nicht erst einen langen Schultag überstehen musste, voller Gier auf die Geschenke. Er wusste überhaupt immer sehr gut Bescheid, was ich wollte oder brauchte. Als ich den neuen Straßenteppich hatte, brachte er Autos. In einem anderen Jahr hat er Kassetten von Bibi Blocksberg oder Benjamin Blümchen hineingelegt. Bestimmt hatte er die Tipps vom Christkind. Dem habe ich nämlich vor Weihnachten immer einen Wunschzettel geschrieben und auf die Fensterbank gelegt. (Die Mama hat gesagt, es kommt dann vorbeigeflogen und sammelt alle Wunschzettel ein.)

Eine Sache will mir bis heute nicht in den Kopf: Warum bringt der Nikolaus eigentlich nur den Kindern Geschenke? Waren wir Erwachsenen nicht brav genug? Das ist doch unfair. In meinem gesamten Freundeskreis weiß ich niemanden, der nicht sein Päckchen zu tragen hat und der es nicht verdient hätte, ein Päckchen vom Nikolaus in seinem Stiefel zu finden. Oder sind wir Erwachsenen selbst schuld, weil wir vergessen, unseren Stiefel rechtzeitig herauszustellen?

Manchmal kommt der Nikolaus noch durcheinander. Dann gibt er etwa bei meinen Eltern etwas für mich ab. Dass er sich so in der Adresse irren kann, wo ich doch schon seit 11 Jahren in Frankfurt wohne ... Aber man will ja nicht meckern, wenn man schon etwas geschenkt bekommt. In einem Jahr hat er sogar was in einen Stiefel gesteckt, den ich gar nicht rausgestellt hatte. Er muss irgendwie nachts in die WG und die Treppe hoch geschlichen sein. Dann hat er Lindor-Kugeln in die Stiefel fallen lassen, die da sowieso immer stehen.

Sei Dein eigener Nikolaus

In diesem Jahr, so fürchte ich, hat der Nikolaus Verspätung. Meine Eltern haben gesagt, er hätte angerufen und eine Tüte angekündigt. Wegen seiner mangelnden Ortskenntnis ist die aber jetzt mit der Post unterwegs nach Frankfurt und wird gewiss erst in einigen Tagen eintreffen. Nee, nee, der Nikolaus ist auch nicht mehr das, was er früher mal war. Und die Post sowieso nicht.



Mir blieb also nichts anderes übrig, als selbst für mein Nikolaus-Geschenk zu sorgen. Am Wochenende beim Einkaufen entdeckte ich einen süßen roten Stiefel, der mit Pflanzen gefüllt ist und den ich unbedingt haben wollte. Da auf den Nikolaus kein Verlass ist, habe ich meinen Freund gebeten, ihn mir zu kaufen. Erst hieß es, dass der Stiefel noch nicht mit zu mir könne, schließlich sei ja morgen erst Nikolaus. Aber am Ende hatte er doch ein Einsehen.

So fürchte ich, dass ich heute so viele Stiefel aufstellen kann, wie ich will: Kein Nikolaus wird kommen. Vielleicht hole ich mir noch so einen Nachsendeantrag bei der Post und stecke ihn in einen meiner Stiefel, dass der Nikolaus ihn findet, falls er nachsehen kommt. Das wird allerdings wohl frühestens im nächsten Jahr Wirkung zeigen. Bis dahin werde ich mir am Nikolausabend selbst ein Geschenk machen: Currywust mit Pommes. Das ist nämlich sonst eigentlich verboten, da ungesund.
   

4. Türchen 2016

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 04. Dezember 2016 um 21:34 Uhr Geschrieben von: Yvonne Sonntag, den 04. Dezember 2016 um 20:05 Uhr

Alle Jahre wieder gehört er für mich dazu: der Weihnachtsmarkt auf der Ronneburg. Hier kommt halb Hessen zusammen, deshalb muss man ein wenig Geduld mitbringen. Meist steht man eine Weile im Stau, bis man auf den Parkplatz fahren kann und vermutet schon, dass dieser so überfüllt sein wird, dass man am besten mit Santas Schlitten herfliegen sollte oder gleich zu Hause bleiben. Die Geduld wird jedoch belohnt und der Parkplatz ist dann doch gar nicht so voll, wie es den Anschein hatte. Auf der Burg ist die Zeit stehen geblieben. Man bezahlt mit Talern, Geldautomaten gibt es nicht. Auf dem Boden liegt Stroh, an den Ständen werden selbst gemachte Töpferwaren, Handarbeiten, Met und frische Wurst verkauft. Etliche Besucher laufen gewandet herum, man sieht Ritter, Burgfräulein im Wintercape, Mönche und Magier.

Manchmal denke ich, dass ich in eine andere Zeit besser gepasst hätte. Ins Mittelalter vielleicht nicht, da war es bestimmt sehr zugig und ich friere ja schon, wenn die Heizung nicht hoch genug gedreht ist. Überhaupt wäre eine Zeit, an der man an einem Schnupfen gleich gestorben ist, wohl nicht so geeignet. Aber eine Zeit, in der alles noch ein bisschen langsamer war - das wäre mir recht. Wenn es eine Zeitmaschine gäbe, wie würden wohl die Menschen von vor 100 oder 200 Jahren auf unsere hektische Gegenwart reagieren? Wären sie begeistert oder eher eingeschüchtert?

Sicher, unsere Zeit bietet viele Vorteile. Es werden keine heilkundigen Frauen mehr als Hexen verbrannt, niemand guckt schief, wenn Frauen arbeiten und wir haben Antibiotika und Kopfschmerztabletten. Andere Errungenschaften sind oft zweischneidig. Gäbe es etwa keine E-Mails, dann würde man eben Briefe schreiben, so wie früher. Dadurch wären die Wege länger und es wäre auch teurer und umständlicher, aber dafür würde auch niemand eine prompte Antwort erwarten. Ich bin immer schon irritiert, wenn ich auf eine E-Mail nicht innerhalb von zwei bis drei Tagen eine Reaktion habe.

Beispielsweise warte ich seit einigen Tagen auf eine Rückmeldung, von der für mich viel abhängt und die ich gleichzeitig dringend erwarte und fürchte. In alten Zeiten, in denen man noch Briefe schrieb, müsste ich nur einmal am Tag bangen, nämlich dann, wenn ich den Briefkasten öffne. Und dann wäre ich auf alles vorbereitet. Da ich aber alle E-Mails aufs Handy geschickt bekomme, muss ich nun zu jeder Tageszeit mit einer Antwort rechnen. Was bedeutet: Ich darf im Grunde niemals zur Ruhe kommen und die Sache aus dem Kopf verdrängen, weil ich dann eventuell unvorbereitet davon getroffen würde. Genau diese Dinge machen es so schwer abzuschalten. Klar kann man das Handy immer aus machen, aber dann bekommt man andere wichtige Nachrichten auch nicht mehr - etwa dringende Anfragen von Kunden oder Informationen von der Familie und Freunden.



Die Welt 'mal draußen lassen

Genau deshalb ist es schön, dass es noch Orte gibt, an denen man nicht erreichbar sein muss. Ich habe auf der Ronneburg noch nie jemanden telefonieren sehen. Das würde auch nicht ins Bild passen. Ich erinnere mich, wie meine Kollegin in meiner letzten Stelle vor der Selbstständigkeit einmal versuchte, einen Kunden zu erreichen und der dann 'ran ging mit den Worten: "Ich schwimme gerade im Meer". Wir haben damals natürlich sehr gelacht und uns gefragt, wo er beim Schwimmen im Meer denn bitte sein Handy verstaut hatte. Aber tatsächlich steckt darin eine traurige Wahrheit: Es ist Luxus geworden, nicht erreichbar zu sein.

Ich gönne mir diesen Luxus dennoch öfter. Wenn ich in der Vorlesung bin, schaue ich nie auf mein Handy. Aber auch zu Hause schalte ich häufig tagsüber das Handy auf lautlos. Wenn ich gerade lektoriere, übersetze, aber auch nachdenke oder esse muss ich nicht von einem nervigen Handyton unterbrochen werden, der sich dann hinterher doch nur als eine Werbemail entpuppt.

Konzentrieren wir uns lieber auf erfreulichere Dinge. Heute haben wir einem Bonbonmacher zugesehen und -gehört, der allerhand lustige Anekdoten über die Geschichte der Bonbonmacherei erzählt hat. Der Nikolaus mit seinem Engel war auch schon da - morgen ist ja auch bereits Nikolausabend. In diesem Sinne noch einen frohen 2. Advent!
 

3. Türchen 2016

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 03. Dezember 2016 um 20:51 Uhr Geschrieben von: Yvonne Samstag, den 03. Dezember 2016 um 17:14 Uhr

Das 3. Türchen hat heute auf sich warten lassen. Das liegt daran, dass der Tag etwas anders verlaufen ist als geplant. Eigentlich wollten wir meine Eltern besuchen. Ich hatte mich schon drauf gefreut, dort die alten Weihnachtsplatten zu hören, Adventskaffee zu trinken, selbstgemachte Lasagne von meiner Mutter zu essen und ansonsten nicht viel zu machen. Einfach zu relaxen eben und die Welt vor der Tür zu lassen - fast wie an Weihnachten.

Doch es kam anders. Heute früh ist mein armer Freund krank erwacht und wir wollten meine Eltern nicht anstecken. Plötzlich lag ein freier Tag vor uns - und das mitten im Advent. Ich war überrascht, wie mich das überfordert hat. Gerade die Adventswochenenden sind ja schon lange durchgeplant, es gibt so viele Angebote und so wenig Zeit, dass man ständig Entscheidungen treffen muss. Die eine oder andere Aktivität spontan hinzuzufügen ist kein Problem. Von dem Schwedischen Weihnachtsmarkt am letzten Wochenende hatte ich erst am Morgen auf Facebook gelesen. Aber wenn etwas ausfällt, worauf ich mich gefreut hatte, fällt es mir immer schwer, dem Tag noch etwas Positives abzugewinnen.

Am schlimmsten hat mich das getroffen, als wir 2015 Karten für das Roxette-Konzert hatten. Ich hatte sie mir zum Geburtstag schenken lassen und mich monatelang drauf gefreut. Am Tag des Konzerts hatten wir Mühe, pünktlich hinzukommen, weil es gleich mehrere Pannen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gab, doch wir schafften es gerade noch zu den letzten Songs der Vorband. Dann passierte lange nichts und wir wunderten uns schon. Plötzlich kam ein heftiger Wind auf und ein Teil der Open-Air-Bühne ging kaputt - im Zuschauerbereich war allerdings kaum ein Lüftchen zu spüren. Dennoch wurde das Konzert aus Sicherheitsgründen abgebrochen, ohne dass wir Per und Marie auch nur gesehen hatten. Wochenlang war ich darüber enttäuscht und habe es persönlich genommen.

Dass wir unschöne Dinge auf uns beziehen ist selten berechtigt. Meist kommt es daher, dass man gerade ohnehin keine so gute Phase hat und dann bei jeder Enttäuschung denkt: "Das hat mir gerade noch gefehlt. Musste das jetzt auch noch sein? Ich bin einfach ein Pechvogel!".



"Pechvogel ist aus. Kommt auch nicht mehr rein."

Ich glaube eigentlich nicht daran, dass man in bestimmten Phasen Pech anzieht, weder weil eine schwarze Katze von rechts nach links gelaufen ist noch weil man mieses Karma hat. Ich denke eher, dass man sich selbst, wenn etwas richtig Unerfreuliches passiert ist, darauf programmiert, nur noch das Negative zu sehen. Das hat nicht geklappt, dieses ist schief gegangen, dann kann jetzt gar nichts Gutes kommen. Zwischen den blöden Dingen passieren aber auch immer wieder kleine Gute. Nur irgendwie verdrängt man die sehr gerne aus seinem Gedächtnis.

Tatsächlich, auch wenn ich sagen würde: "Das war nicht mein Jahr", passieren mir immer wieder ganz erstaunlich gute Dinge. Menschen sind netter, großzügiger, herzlicher als erwartet, Kunden setzen seit Jahren auf mich und wenn ich mich darüber ärgere, dass ein Kunde nicht bezahlt, fällt mir auf, dass es über Jahre hinweg gut gegangen und in dieser Form noch nie vorgekommen ist. Wenn das nicht ein Glück war!

Wir haben dann aus dem Tag noch das Beste rausgeholt und eine Veranstaltung besucht, die wir ansonsten verpasst hätten: den Weihnachtsmarkt in der Klassikstadt. Zugegeben, als Nicht-Autofan hat man an den Ständen nicht so viel Freude, aber dafür haben sie es dort draußen sehr schön gemacht. Das Foto von dem Christbaum und den kuscheligen weißen Fellen auf Hockern um ein Feuer beweisen es. So lässt es sich auch bei Frost gut draußen aushalten.

Nun werden wir den Tag gemütlich im warmen Zuhause ausklingen lassen. Ich fürchte, dass der Mürbeteig-Nikolaus nicht mehr lange überleben wird. Auf dem Herd steht ein leckeres selbstgemachtes Chili con carne - dazu wären wir sonst über all den Terminen vor Weihnachten nicht mehr gekommen. So hat alles Unglück am Ende doch sein Gutes.
   

Seite 1 von 5