10. Türchen 2016

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Es gibt eine große Ungerechtigkeit im Leben: Wenn wir klein sind, wünschen wir uns umso größere Spielzeuge, aber wir haben kein Geld, um uns auch nur kleine zu kaufen. Bei den meisten Dingen sind wir auf unsere Eltern, Großeltern und sonstige liebe Verwandte und Freunde der Familie angewiesen, in der Hoffnung, dass sie unsere Wünsche verstehen und ebenso ernst nehmen wie wir. Dinge, die wir nicht bekommen oder verlieren, verfolgen uns manchmal das ganze Leben lang. Ich erinnere mich, dass ich einmal einen Papagei aus Stoff hatte, der in einem Käfig saß. Ich liebte ihn und fand ihn so großartig, dass er überall mit hin musste. Eines Tages nahm ich ihn mit ins Einkaufszentrum. Ich weiß nicht, wie es zuging, aber als wir herauskamen, hatte ich ihn nicht mehr. Wir gingen ins Geschäft zurück und suchten alles ab, aber er war nicht mehr aufzufinden. Vermutlich hatte ein anderes Kind ihn bereits adoptiert.

Wenn wir groß sind, sehnen wir uns aber vor allem nach den Dingen, die wir als Kinder für selbstverständlich gehalten haben und erwarten sie ebenso selbstverständlich. Wenn uns das Leben diese nicht gibt, sind wir mehr als irritiert und finden uns oft nicht mehr zurecht. Da ist es wenigstens ein kleiner Trost, dass wir uns nun kaufen können, was wir uns schon immer gewünscht haben oder was uns eben gerade gefällt, einfach weil die Beträge, die früher groß erschienen, heute sehr klein sind. So gönne ich mir seit mehreren Jahren regelmäßig einen Playmobil-Kalender. Ich weiß gar nicht, ob ich früher nie einen hatte, wahrscheinlicher ist, dass es sie "zu meiner Zeit" noch gar nicht gab. Jedenfalls hatte ich immer einen wunderschönen Kalender - meine Mama hat ihn selbst gemacht und allerlei kleine Päckchen in Geschenkpapier angehängt, die ich tagtäglich in freudiger Erwartung befühlt und mir ihre Inhalte vorgestellt habe. Ich wünschte, ich hätte heute noch so verheißungsvolle Aussichten mit einer täglichen Überraschung - auf gekauften Kalendern sind ja die Inhalte leider bereits alle abgebildet.

Als ich heute bei meinem Freund ankam, fand ich ein riesiges Playmobil-Männchen auf der Couch sitzen. Ich fürchte, dass ich ihn mit meiner Playmobil-Sucht angesteckt habe. So wie er mich wohl mit seiner Vorliebe für Lego. So sympathisch mir das Kerlchen war - auf der Couch konnte es nicht bleiben, denn am Wochenende müssen dort schließlich zwei Leute sitzen. Also wurde es neben dem Baum drapiert und sieht jetzt aus wie ein echter Santa Clause, der dabei überrascht wurde, wie er die Geschenke unter den Baum stellen will. Ich habe vorgeschlagen, dass wir das eine große Päckchen, das da seit Kurzem unter dem Schreibtisch meines Freundes steht, gleich dazustellen. Aber bedauerlicherweise wollte er davon nichts wissen. Schade ...

Den Baum haben wir schon letztes Wochenende aufgestellt und geschmückt. Da er künstlich ist, muss man ihn nur zusammenstecken und nadeln tut er auch nicht. Trotzdem bin ich froh, dass ich bei mir zu Hause einen Adventskranz mit echten Tannennadeln habe, der so herrlich nach Weihnachten duftet. Bei uns zu Hause gab es immer einen echten Baum - so ist das eben mit den Dingen, die man aus der Kindheit kennt.

Wenn Traditionen kollidieren, dann schaffe eine neue

Wenn zwei Traditionen zusammenkommen, macht es oft ein wenig Arbeit, die unterschiedlichen Vorstellungen unter einen Hut zu bringen. Da ist es gut, wenn man sich bei Playmobil-Nikoläusen und Legomännchen einig ist. Oftmals muss man neue Traditionen schaffen - mit anderen Worten: Man macht etwas anders als früher, etwas das für beide anders ist, und mit den Jahren wird daraus eine Tradition. Beispielsweise habe ich bis vor zwei Jahren den Heiligen Abend wie jedes Jahr zuvor bei meinen Eltern verbracht. Es war ein wenig traurig, mit dieser Tradition abzuschließen, aber nur so schafft man Platz für etwas Neues. In diesem Fall dafür, den Heiligabend zu zweit in Frankfurt zu verbringen, mit einem künstlichen Baum und einem Playmobil-Nikolaus. Mal sehen, ob wir ihn bis Weihnachten dressieren können, sodass er Geschenke unter den Baum legt, die keiner von uns gekauft hat. Das wäre doch 'mal was.

Es gibt natürlich auch Traditionen, die sich nicht so leicht kombinieren oder ändern lassen, solche die Überwindung kosten oder sehr viel Energie. Was macht man bei diesen Dingen? Ein Patentrezept gibt es dafür wohl nicht. Im Zweifelsfall setzt man darauf, dass die Zeit die Dinge schon richten wird.

Natürlich gibt es gerade in der zauberhaften Adventszeit auch immer wieder Überraschungen. Beispielsweise habe ich heute zum ersten Mal eine Currywurst mit Spekulatius-Sauce gegessen. Ich dachte zunächst, da würde sich wahrscheinlich sogar dem Weihnachtsmann der Magen umdrehen. Aber zu meiner Verwunderung hat sie geschmeckt, und zwar ziemlich gut. Also, man sollte niemals nie sagen und immer neugierig und offen bleiben.

Apropos neugierig und offen: Fällt jemandem was an den Buchstaben unter dem Foto des McDonald's-Weihnachtsbaumes (drittes Bild) auf? Ich frage mich, ob da etwas durcheinandergeraten ist oder ein Mitarbeiter die Leute animieren wollte, sich neue Wörter auszudenken.