14. Türchen 2016

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Es ist immer schwierig, zwischen der Zeit für Freunde und der Zeit für sich selbst die richtige Balance zu finden. In der Vorweihnachtszeit ist das noch komplizierter, weil es nur wenige Wochen vom Beginn der Weihnachtsmarkteröffnung bis zu seiner Schließung sind. Wie soll man genug Zeit finden, um allen Lieben gerecht zu werden und gleichzeitig die nötigen Mußestunden zu Hause finden? Denn wer die nicht findet und nur gestresst durch die Gegend läuft, macht auch seinen Mitmenschen wenig Freude.

Ich halte es immer so, dass ich zum Adventsbeginn auf Facebook alle meine Freunde und Kommilitonen zu einem gemeinsamen Abend einlade. Ich weiß, es gibt einige unter ihnen, die sich lieber nur zu zweit treffen und vielleicht auch Gespräche führen möchten, bei denen nicht Fremde mithören sollen. Dennoch ist das aus meiner Sicht wirklich die einzige Möglichkeit, alle zu sehen.

Dabei stelle ich immer wieder fest, wie schwer es vielen fällt, richtig zu planen. Diesmal habe ich gleich zu Beginn der Adventszeit, am 30. November, eingeladen. Erst haben etwa 10 Personen fest zugesagt, dazu einige mit "vielleicht" geantwortet. Je näher der Termin rückte, desto mehr sagten ab und am Schluss waren wir zu viert: mein Freund, eine Freundin, eine Übersetzerkollegin und ich.

Es war ein sehr netter Abend, aber ich wundere mich dennoch jedes Mal, dass es so schwierig ist zusammenzukommen, selbst wenn der Termin seit Wochen feststeht. Vor einigen Jahren habe ich ganz spontan eine Adventsparty organisiert, die daraus entstanden ist, dass mehrere Leute noch Schüsseln vom gemeinsamen Backen bei mir stehen hatten. Ich lud von einem auf den anderen Tag ein und war perplex: Etwa 20 Personen kamen zu der Feierlichkeit. Das heißt also: ungeplant klappt oft viel besser.

Sei denen gegenüber zuverlässig, auf die Du dich verlassen kannst - und habe Verständnis für die übrigen

Wieso fällt es uns allen so schwer zu planen? Ich glaube, dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: 1. Viele von uns muten sich den Menschen zuliebe, die wir mögen, oft zu viel zu (bis wir dann krank sind und wirklich nicht mehr aus dem Haus können). 2. Es gibt so viele Veranstaltungen auf engem Raum, dass es schwer fällt, eine Entscheidung zu treffen.

Ich denke, solche Absagen sollte man nie persönlich nehmen. Ich war schon öfter enttäuscht von der einen oder anderen Person, die kurzfristig absagte, und erfuhr dann in einem persönlichen Gespräch, dass sie eine ganz schwierige Phase hatte und eigentlich niemanden sehen wollte. Aber wer hat schon den Mut, offen zu sagen: "Ich kann leider abends nicht kommen, weil ich da immer weinen muss wegen meiner Scheidung/meiner Finanzsituation/des kürzlichen Todes eines Familienmitglieds/meines gemeinen Chefs". Eigentlich denke ich: Das sind unsere Freunde. Wenn wir ihnen nicht die Wahrheit sagen können, wem dann? Aber ich weiß, wie schwer es sein und wie man sich auch einer Wahrheit schämen kann.

Ich habe für mich die Konsequenz daraus gezogen, Verabredungen nur dann um jeden Preis einzuhalten (also auch wenn ich einen harten Tag hatte, sehr müde oder krank bin), wenn die andere Person ebenfalls ihre Verabredungen einhält. So war ich gestern mit der Freundin noch einmal auf dem Weihnachtsmarkt, die bereits bei unserem Gruppentreffen dabei war. Wir hatten einen sehr netten Abend und sind nachher ins Extrablatt essen gegangen (daher stammen die Fotos) - und das obwohl sie krank war und ich einen besonders anstrengenden Tag hinter mir hatte.

Abzusagen heißt nicht, dass man die Person, um die es geht, nicht gern genug hat. Es heißt vielleicht, dass man sich sehr unwohl fühlt oder dass man gerade gestern eine andere Verabredung einhalten wollte, dass man sich - wieder einmal - für stärker gehalten hat als man ist und nicht rechtzeitig gemerkt hat, dass in den Tagen kurz vor Weihnachten zu viel gleichzeitig ansteht.

Also Ihr Lieben, setzt Euch nicht zu sehr unter Druck und seid nicht traurig, wenn Ihr nicht alle Eure Freunde vor Weihnachten noch seht. Nächstes Jahr ist auch noch ein Jahr.