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12. Türchen 2016

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 13. Dezember 2016 um 00:42 Uhr Geschrieben von: Yvonne Montag, den 12. Dezember 2016 um 22:55 Uhr

Merkt Ihr es auch? Es wird kälter. Damit meine ich nicht die Temperatur, sondern das Paradoxon, das uns jedes Jahr kurz vor dem Fest der Liebe ereilt. Es ist zum Beispiel in den Geschäften zu beobachten. Während ich sonst beim Rewe immer nur freundliche Verkäuferinnen treffe, zu einem Schwätzchen aufgelegt, mit durchaus Spaß an der Arbeit, saß heute eine junge Frau an der Kasse, die finster vor sich hinstarrte, mich nicht einmal anblickte und ganz offensichtlich nur eines dachte: "Lasst mich alle in Ruhe, ich will nach Hause!".

In der Bahn ging es ebenso ruppig zu. Fahrgäste beschwerten sich lautstark über andere, die Tüten mit den Weihnachtseinkäufen für die Lieben wurden Fremden rücksichtslos in die Seite gerammt. Und wer in diesen Tagen so tollkühn ist, über den Weihnachtsmarkt mit einer Portion Pommes in der Hand zu schlendern, kann froh sein, wenn er am Ende nicht die Mayonnaise im Gesicht kleben hat.

Kurz vor dem Fest verlieren alle den Kopf. Ich würde jetzt gerne behaupten, dass ich persönlich die große Ausnahme bin, aber das stimmt nicht. Auch mir sind heute Morgen beim Bestellen der Weihnachtsgeschenke fast die Augen aus dem Kopf gefallen. Als vor einigen Tagen eine Werbemail bei mir eintrudelte mit den Worten: "Suchen Sie noch rasch vor dem Fest nach einem kleinen Geschenk?" habe ich gelacht und gesagt, dass ja noch mehr als zwei Wochen Zeit seien. Aber als mir dann heute bei gleich zwei Geschenken der böse Satz entgegenblinkte - "Kommt voraussichtlich nicht mehr rechtzeitig zum Fest" -, schwankte ich zwischen zwei Impulsen: 1. Mir die Decke über den Kopf zu ziehen und erst wieder aufzustehen, wenn die Feiertage vorbei sind oder 2. Sofort, also SOFORT, notfalls ungekämmt und im Schlafanzug, loszurennen ins nächste Geschäft.

Am Ende habe ich dann ein Geschenk trotzdem bestellt - und gleich ein provisorisches Alternativgeschenk dazu - und bei einem zweiten beschlossen, dass ich mich wohl doch sicherheitshalber ins Weihnachtsgetümmel stürze. In der Vorweihnachtszeit bleibt einem auch nichts erspart. Erholen tun wir uns dann alle wieder unter dem Weihnachtsbaum.

Achtsam durch den Adventstag

Ganz zufrieden war ich aber doch nicht damit, mich nun endgültig in den Vorweihnachtsstress zu ergeben. Als ich die Wohnung von meinem Freund verließ, fiel mir eine Achtsamkeitsübung ein, von der ich im Sommer gelesen hatte. Laut dieser Übung soll man gerade an hektischen Tagen einmal bewusst die Wege gehen, die man ohnehin gehen muss. Man würde dann viele Überraschungen erleben und ganz erstaunliche Dinge sehen, riechen und fühlen, an denen man sonst achtlos vorbeiginge.

Damals hatte ich die Übung sofort ausprobiert. In meiner Vorstellung war ich gewiss achtlos an herrlichen Blumen, Schmetterlingen und lauter freundlichen Menschen vorbeigelaufen, mit dem Kopf immer schon bei der nächsten Aufgabe.

Ganz so romantisch war es dann nicht. Als ich das erste Mal nach längerer Zeit bewusst auf meinen Weg achtete, fiel mir vor allem auf, dass Sachsenhausen-Nord gar nicht so grün ist, wie ich es von meinem allerersten Blick darauf in Erinnerung hatte. Es gab ein paar Bäume, wenig Blumen und Schmetterlinge gar nicht. Meine Achtsamkeit hatte dann aber immerhin den Effekt, dass ich es mir zur Gewohnheit machte, mit meinem Freund am Wochenende aus Frankfurt 'rauszufahren und Orte zu besuchen, an denen man tatsächlich Natur erblicken konnte.

Beeindruckt hat mich die Übung aber doch. Wie erstaunlich, dass wir jahrelang an etwas vorbeilaufen können, ohne unser ursprüngliches Urteil von der Umgebung zu korrigieren. Das ist genau der Grund, aus dem ich Kreuzfahrten mag: Man besucht lauter fremde Orte nur für jeweils einen Tag und es gibt nur erste Eindrücke. Man saugt alles auf, ist in jedem Moment vollkommen da und erst wenn man sich satt und müde gesehen hat, kehrt man aufs Schiff zurück, um seine Eindrücke zu verarbeiten.

Wie auch immer: Heute ist mir also die Übung wieder eingefallen. Und mir wurde bewusst, dass es zur jetzigen Zeit durchaus Dinge zu sehen gibt, die sonst nicht da sind. Und das sind die Weihnachtslichter: Weihnachtsbäume an allen möglichen Plätzen, öffentliche Weihnachtsbeleuchtung, geschmückte Fenster und Schaufenster.

So habe ich auf dem Weg von meinem Freund über die Stiftung bis nach Hause alle Weihnachtslichter fotografiert, die mir begegnet sind. Ich war erstaunt, wie viele es waren und auch ein wenig traurig, als ich an all die Menschen dachte, die sie in diesen Tagen vor lauter Stress nicht wahrnehmen.

In diesem Sinne: Ich hoffe, dass mein heutiges Kalendertürchen von möglichst vielen Gestressten gelesen wird. Morgen gibt es wieder viele Lichter, die nur dafür da sind, dass wir sie wahrnehmen und uns daran erfreuen. Habt viel Freude damit!
 

11. Türchen 2016

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 13. Dezember 2016 um 00:45 Uhr Geschrieben von: Yvonne Sonntag, den 11. Dezember 2016 um 21:22 Uhr

Jeden Montagabend unterrichte ich Abiturienten in Deutsch. Während wir uns früher mit Rechtschreibung und Grammatik beschäftigt haben, geht es inzwischen um anspruchsvolle Lektüre wie Goethes Faust, E. T. A. Hoffmanns Sandmann oder Gedichte aus der Romantik. Mir macht dieser Kurs viel Spaß, da ich mich so mit den Klassikern beschäftigen kann.

Passend dazu waren wir heute zum ersten Mal im Büchnerhaus, also dem Geburtshaus von Georg Büchner. Eigentlich hatten wir danach noch weitere Pläne, wollten am Flughafen an der Rallye zu Weihnachten auf der ganzen Welt teilnehmen und in unserem Lieblingscafé Kuchen essen. Aber dazu kamen wir nicht, da wir im Büchnerhaus an einer sehr interessanten Führung teilgenommen haben.

Ich stelle immer wieder fest, dass viel häufiger Bücher von der aktuellen Bestseller-Liste gelesen werden als die großen Klassiker. Dabei gewinnt man selten in einem aktuellen Roman dasselbe Gefühl wie bei Klassikern, in denen alles mit allem verbunden zu sein scheint. Noch heute läuft im Fernsehen das Sandmännchen, das den Kindern Sand in die Augen streut, damit sie gut schlafen und träumen. Verloren gegangen ist die Schauergeschichte, in welcher der Sandmann eine Kinderschreckgestalt ist und diejenigen bestraft, die zu lange auf oder draußen unterwegs sind. Genau diese Legende macht E. T. A. Hoffmanns Klassiker so bedrohlich. Auch in Goethes Faust geht es gruselig zu: Im Mittelpunkt steht ein Mann auf der Suche nach sich selbst und der einen Sache, die ihn zufrieden macht und in Einklang mit der Welt bringt. Ist das nicht eigentlich eine sehr moderne Geschichte? Da er allein nicht weiterkommt, verkauft er seine Seele an den Teufel - das ist der Anfang vom Ende.

Bücher von Büchner

Büchner ist auf den ersten Blick jemand, der seinen Weg früh gefunden zu haben scheint. Mit 23 Jahren ist er bereits ein promovierter Universitätsprofessor, Naturwissenschaftler und hat etliche Bücher verfasst, die heute zur Weltliteratur zählen: Woyzeck, Lenz, Leonce und Lena, Dantons Tod ... Leider stirbt er in diesem Alter an Typhus.

Zu Weihnachten sind wir heute irgendwie nicht gekommen. Aber morgen ist bereits Adventskalender-Halbzeit. Da geht es dann wieder um Astrid Lindgren und Charles Dickens.
 

10. Türchen 2016

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Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 11. Dezember 2016 um 09:30 Uhr Geschrieben von: Yvonne Samstag, den 10. Dezember 2016 um 20:29 Uhr

Es gibt eine große Ungerechtigkeit im Leben: Wenn wir klein sind, wünschen wir uns umso größere Spielzeuge, aber wir haben kein Geld, um uns auch nur kleine zu kaufen. Bei den meisten Dingen sind wir auf unsere Eltern, Großeltern und sonstige liebe Verwandte und Freunde der Familie angewiesen, in der Hoffnung, dass sie unsere Wünsche verstehen und ebenso ernst nehmen wie wir. Dinge, die wir nicht bekommen oder verlieren, verfolgen uns manchmal das ganze Leben lang. Ich erinnere mich, dass ich einmal einen Papagei aus Stoff hatte, der in einem Käfig saß. Ich liebte ihn und fand ihn so großartig, dass er überall mit hin musste. Eines Tages nahm ich ihn mit ins Einkaufszentrum. Ich weiß nicht, wie es zuging, aber als wir herauskamen, hatte ich ihn nicht mehr. Wir gingen ins Geschäft zurück und suchten alles ab, aber er war nicht mehr aufzufinden. Vermutlich hatte ein anderes Kind ihn bereits adoptiert.

Wenn wir groß sind, sehnen wir uns aber vor allem nach den Dingen, die wir als Kinder für selbstverständlich gehalten haben und erwarten sie ebenso selbstverständlich. Wenn uns das Leben diese nicht gibt, sind wir mehr als irritiert und finden uns oft nicht mehr zurecht. Da ist es wenigstens ein kleiner Trost, dass wir uns nun kaufen können, was wir uns schon immer gewünscht haben oder was uns eben gerade gefällt, einfach weil die Beträge, die früher groß erschienen, heute sehr klein sind. So gönne ich mir seit mehreren Jahren regelmäßig einen Playmobil-Kalender. Ich weiß gar nicht, ob ich früher nie einen hatte, wahrscheinlicher ist, dass es sie "zu meiner Zeit" noch gar nicht gab. Jedenfalls hatte ich immer einen wunderschönen Kalender - meine Mama hat ihn selbst gemacht und allerlei kleine Päckchen in Geschenkpapier angehängt, die ich tagtäglich in freudiger Erwartung befühlt und mir ihre Inhalte vorgestellt habe. Ich wünschte, ich hätte heute noch so verheißungsvolle Aussichten mit einer täglichen Überraschung - auf gekauften Kalendern sind ja die Inhalte leider bereits alle abgebildet.

Als ich heute bei meinem Freund ankam, fand ich ein riesiges Playmobil-Männchen auf der Couch sitzen. Ich fürchte, dass ich ihn mit meiner Playmobil-Sucht angesteckt habe. So wie er mich wohl mit seiner Vorliebe für Lego. So sympathisch mir das Kerlchen war - auf der Couch konnte es nicht bleiben, denn am Wochenende müssen dort schließlich zwei Leute sitzen. Also wurde es neben dem Baum drapiert und sieht jetzt aus wie ein echter Santa Clause, der dabei überrascht wurde, wie er die Geschenke unter den Baum stellen will. Ich habe vorgeschlagen, dass wir das eine große Päckchen, das da seit Kurzem unter dem Schreibtisch meines Freundes steht, gleich dazustellen. Aber bedauerlicherweise wollte er davon nichts wissen. Schade ...

Den Baum haben wir schon letztes Wochenende aufgestellt und geschmückt. Da er künstlich ist, muss man ihn nur zusammenstecken und nadeln tut er auch nicht. Trotzdem bin ich froh, dass ich bei mir zu Hause einen Adventskranz mit echten Tannennadeln habe, der so herrlich nach Weihnachten duftet. Bei uns zu Hause gab es immer einen echten Baum - so ist das eben mit den Dingen, die man aus der Kindheit kennt.

Wenn Traditionen kollidieren, dann schaffe eine neue

Wenn zwei Traditionen zusammenkommen, macht es oft ein wenig Arbeit, die unterschiedlichen Vorstellungen unter einen Hut zu bringen. Da ist es gut, wenn man sich bei Playmobil-Nikoläusen und Legomännchen einig ist. Oftmals muss man neue Traditionen schaffen - mit anderen Worten: Man macht etwas anders als früher, etwas das für beide anders ist, und mit den Jahren wird daraus eine Tradition. Beispielsweise habe ich bis vor zwei Jahren den Heiligen Abend wie jedes Jahr zuvor bei meinen Eltern verbracht. Es war ein wenig traurig, mit dieser Tradition abzuschließen, aber nur so schafft man Platz für etwas Neues. In diesem Fall dafür, den Heiligabend zu zweit in Frankfurt zu verbringen, mit einem künstlichen Baum und einem Playmobil-Nikolaus. Mal sehen, ob wir ihn bis Weihnachten dressieren können, sodass er Geschenke unter den Baum legt, die keiner von uns gekauft hat. Das wäre doch 'mal was.

Es gibt natürlich auch Traditionen, die sich nicht so leicht kombinieren oder ändern lassen, solche die Überwindung kosten oder sehr viel Energie. Was macht man bei diesen Dingen? Ein Patentrezept gibt es dafür wohl nicht. Im Zweifelsfall setzt man darauf, dass die Zeit die Dinge schon richten wird.

Natürlich gibt es gerade in der zauberhaften Adventszeit auch immer wieder Überraschungen. Beispielsweise habe ich heute zum ersten Mal eine Currywurst mit Spekulatius-Sauce gegessen. Ich dachte zunächst, da würde sich wahrscheinlich sogar dem Weihnachtsmann der Magen umdrehen. Aber zu meiner Verwunderung hat sie geschmeckt, und zwar ziemlich gut. Also, man sollte niemals nie sagen und immer neugierig und offen bleiben.

Apropos neugierig und offen: Fällt jemandem was an den Buchstaben unter dem Foto des McDonald's-Weihnachtsbaumes (drittes Bild) auf? Ich frage mich, ob da etwas durcheinandergeraten ist oder ein Mitarbeiter die Leute animieren wollte, sich neue Wörter auszudenken.
   

9. Türchen 2016

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 09. Dezember 2016 um 23:31 Uhr Geschrieben von: Yvonne Freitag, den 09. Dezember 2016 um 22:44 Uhr

"Jeder Tag folgt einem Fluss. Finde ihn, finde seine Richtung, finde die eine mögliche Brücke. Jeder Tag ist eine Brücke." - Mit diesem Kalenderzitat hat mich der Tag begrüßt. Die Brücke für den heutigen Tag zu finden, war leicht. Ich hatte keine auswärtigen Termine und konnte immer wieder adventliche Ruhepausen einlegen.

Begonnen habe ich gleich passend zum Entspannungs-Adventkalender mit einem Entspannungstee. Die Teebox mit 24 verschiedenen Teebeuteln habe ich gestern noch erstanden und bin schon gespannt, ob es einer oder gleich mehrere der Tees in meine umfangreiche Sammlung schaffen.

Zum Frühstück und später zum Kaffee habe ich mir "Weihnachten mit Astrid Lindgren" angeschaut. Ich komme im Advent immer wieder auf sie und ihre zahlreichen Helden zurück, seien es Michel, die Kinder von Bullerbü, Madita, Mio, Lotta, Pelle oder Pippi Langstrumpf. Was man in der Kindheit gelesen hat, prägt einen eben das ganze Leben lang.

Auf dem Bild seht Ihr Pippi, die sich über den ersten Schnee freut. Das würde ich auch gerne. Mehrere Tage lang habe ich darauf gewartet, die ersten Flocken zu sehen, nachdem mir mein Handy anhaltend versicherte, es würde in Frankfurt bereits schneien. Aber leider wurde nichts daraus und heute haben wir auf einmal wieder 4 Grad plus. Ich hoffe trotzdem, dass es noch klappt mit den schwedischen weißen Weihnachten.

Im Fluss bleiben

Nach diesem entspannten Tagesbeginn ging die Arbeit leicht von der Hand. Am Nachmittag habe ich beschlossen, dass es notwendig ist, das Aquarium ein wenig zu säubern, damit ich davor auch nächste Woche wieder entspannte Stunden verbringen kann.

Zum ersten Mal seit die neuen Fische eingezogen sind, habe ich die Schwimmpflanze an der Oberfläche mit dem Casher abgefischt und abgestorbene Pflanzenreste mit den Händen herausgeholt. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur meine zwei kleinen Panzerwelse Pfiffikus und Hamlet, von denen ich auf Facebook bereits berichtet habe, ihre Flossen überall haben. Auch die neuen Kupfersalmler sind ausgesprochen neugierig und schwammen immer um meine Arme herum. Einer paddelte sogar gegen mich - vielleicht dachte er, ich wäre etwas zu fressen.

Anschließend gab es Adventskakao mit leckeren Plätzchen vom Lidl. Selbstgemachte wären natürlich besser gewesen, aber bis jetzt bin ich nicht dazu gekommen. Vielleicht klappt es ja noch.

Gestern habe ich versprochen, dass ich noch einige adventliche Filmtipps weitergeben würde. Dank meines Probemonats bei Netflix habe ich Zugriff auf viele schöne Filme, die bei mir über die Jahre in Vergessenheit geraten sind. Dazu gehört beispielsweise "Das Wunder von Manhattan". Bestimmt erinnert Ihr Euch an die Geschichte von Kris Kringle, den man vor Gericht für nicht zurechnungsfähig erklären will, weil er sich für den Weihnachtsmann hält. Auch der Zeichentrickfilm "Anastasia" hat mich in den letzten Tagen beglückt. Ich habe ihn via Amazon ausgeliehen und festgestellt, dass mein Gedächtnis in Sachen unnützes Wissen nicht nachgelassen hat: Ich erinnerte mich auch nach etwa 10 Jahren, in denen ich ihn nicht gesehen habe, noch an die markanten Zeilen des Titelsongs "Es war einmal im Dezember". Außerdem habe ich zum ersten Mal die Muppets-Weihnachtsgeschichte gesehen - eine der vielen Adaptionen von Charles Dickens' "A Christmas Carol"- und fand sie nicht schlecht - kann in den Weihnachtsfilm-Kanon aufgenommen werden.

Das bringt mich darauf, dass ich ein Lied empfehlen wollte, das Ihr vielleicht noch nicht kennt und das nachdenklich macht: "Dicken's Dublin" von Loreena McKennit. Ihr könnt es Euch auf Youtube anhören bzw. ansehen.
 

8. Türchen 2016

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 09. Dezember 2016 um 00:26 Uhr Geschrieben von: Yvonne Donnerstag, den 08. Dezember 2016 um 23:39 Uhr

Soeben geht der 8. Dezember zur Neige. Eigentlich wollte ich mein Türchen viel eher einstellen, aber als ich heute früh die Texte für die Kunstgeschichte ausgedruckt habe, die ich zur Vorbereitung bis zum Nachmittag lesen musste, entpuppten sie sich als dreimal so umfangreich wie ich eingeplant hatte. Da war dann an das Türchen nicht mehr zu denken.

Ein Drittel des Advents ist also bereits um und es wird Zeit, eine erste Bilanz zu ziehen. Hat der Entspannungskalender gewirkt und sind wir alle achtsamer, ruhiger und gelassener geworden? - Bei mir selbst hält sich die Entspannung in Grenzen, allerdings habe ich mich auch nicht strikt an meinen Plan gehalten. "Die Abende gehören mir", lautete dieser Plan. Doch alte Gewohnheiten legt man nur schwer ab. An den vergangenen Dezembertagen war ich an allen Abenden entweder nicht zu Hause oder habe gelernt, gearbeitet, Bewerbungen geschrieben oder mich vom Tagesgeschehen so beeindrucken lassen, dass ich nicht "'runterfahren" konnte.

Seit ich in Teilzeit studiere, passiert es mir immer wieder, dass ich in den Durchhalten-Modus schalte. Nur noch so und so viele Tage bis zum Urlaub, bis zu den Semesterferien, bis Weihnachten. Eigentlich halte ich diese Sichtweise für sehr ungesund und wenig effizient. Gerade beim Studium ist es doch so, dass man aus Freude und Neugier lernen sollte, nicht um die Deadlines zu erfüllen. Das funktioniert im Alltag aber nur, wenn ein gewisses Mindestmaß an Entspannung da ist - womit sich die Schlange in den Schwanz beißt.

Besonders unerfreulich ist es dann, wenn etwas schief geht, wenn die so herbeigesehnte Freizeit eben nicht kommt. Wie es aussieht, kann ich zwischen den Jahren leider nicht frei nehmen und somit beschränkt sich die zu erwartende Freizeit auf ein langes Wochenende, das zufällig Weihnachten ist. Mit dieser Durchhalte-Strategie komme ich also definitiv nicht weiter. Aber wie dann?

Den Tag bewusst erleben

Ein kleines Stück weiter bin ich der Beantwortung dieser Frage gestern gekommen. Dass ich vor Weihnachten noch nach Fechenheim musste, war mir eigentlich gar nicht recht, denn ansonsten hätte ich an diesem Tag zu Hause deutlich mehr liegengebliebene Arbeit geschafft. Das schlimmste ist der Weg: Ich brauche mit der Tram hin und zurück jeweils eine Stunde.

Also habe ich versucht, das Beste aus der Zeit zu machen. Für unterwegs habe ich den Michel aus Lönneberga mitgenommen. Es war ein kleines bisschen peinlich, ihn in der Bahn zu lesen, denn auf fast allen Seiten finden sich Zeichnungen, die das Buch allzu deutlich als Kinderschmöker ausweisen. Aber dann habe ich beschlossen, dass es keinen etwas angeht, wie ich mich auf die Feiertage einstimme. Und Nostalgie, das lesen, hören und schauen, was ich als Kind geliebt habe, gehört für mich immer dazu.

Als ich dann in Fechenheim angekommen war, habe ich mich viel länger als geplant dort aufgehalten. Statt nur das Buch abzugeben, habe ich einen Kakao, ein Törtchen und ein Gespräch genossen, und die Betonung liegt hier auf genossen. Zurück in Sachsenhausen war nicht mehr viel Tag übrig, aber zumindest hatte ich zwischendurch Mußestunden. Und wie hat schon Fontane weise gesagt? "Uns gehört die Stunde. Und eine Stunde, wenn sie glücklich ist, ist viel."

Am Abend traf mich dann die Weihnachtsstimmung beim Auspacken der endlich eingetroffenen Nikolauspakete. Aus einem der zwei Kartons duftete es ganz herrlich nach frischen Tannennadeln. Mein Adventskranz war endlich da!

Was der gute Nikolaus sonst noch gebracht hat, wollt Ihr wissen? Ihr Naseweise, Ihr Schelmenpack! ;-) Nein, ich habe es Euch ja schon mit den Bildern verraten: Es waren ein kleines Adventsbüchlein, ein weihnachtliches Malbuch, der eine tolle Adventskalender, auf den ich in keinem Jahr verzichten kann, und eine Tüte mit Süßigkeiten (diejenigen, die oben rausgucken, habe ich allerdings selbst hinzugefügt - schön wenn man alles von der Couch aus in einem hübschen Tütchen greifbar hat).

Ich bin froh, dass die Sachen nicht am 6. gekommen sind. Dieser Tag war so verkorkst, dass er einfach nicht zu retten war und die Freude über die schönen Dinge wäre einfach untergegangen.

So konnte ich mich gestern darüber freuen und heute am wohlverdienten freien Abend endlich die Kerzen anzünden und ein Dinner aus schnell zubereiteten, frischen Sachen genießen.

Neue Weihnachtsfilm-Empfehlungen gibt es auch. Ich schaue immer Teile bei den Mahlzeiten, die ich für gewöhnlich zu Hause einnehme. Aber davon berichte ich im nächsten Türchen.
   

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